Things We Never Got Over

Things we never got over~ Lucy Score
Liebesroman/Romantic Comedy, Smalltown-Romance 2022/23
1. Band einer Reihe
Forever Verlag


Kennt ihr Hate-Watching? Also zum Beispiel einen wirklich üblen Film schauen, nur um sich darüber aufzuregen oder alles daran lächerlich zu finden? Natürlich auf lustige Art.
Manchmal braucht man sowas, rein zum Amüsement und ewig perfekt darin sind Sharknado oder Sand Sharks. Ah, die sind auf ihre Art wahnsinnig komisch.
Und so ähnlich ist es auch manchmal mit Büchern.

Hier ist es auch ganz ähnlich, auch wenn ich manchmal einfach nur lesen möchte und zwar nichts schweres– wie etwa Krieg und Frieden oder Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht nur Filme dich traumatisieren können, wie mich Die Blechtrommel traumatisierte oder Pinocchio, sondern auch manche Bücher. Und hier sind es besonders lange verschachtelte Sätze– ich träume heute noch von Sätzen ohne Punkt und Ende, die mich gnadenlos und dahinfaselnd verschlingen.
In Hermann Brochs Roman Der Tod des Vergils, gibt es einen Satz der aus 1077 Wörtern besteht– das ist ein Hilfeschrei wenn ihr mich fragt.

Hier haben wir daher eine vermutlich durch und durch erwartbare aber dafür relativ leichte, amüsante Story und bereits auf den ersten Seiten wird gnadenlos die Klischeekanone abgefeuert als die Protagonistin Naomi auf den grummeligen Wikingertypen Knox trifft, der sie für ihre Zwillingsschwester und Persona non grata Tina hält und beide sich erstmal einen verbalen Schlagabtausch liefern
Natürlich registriert Naomi dennoch wie groß, muskulös und tätowiert Knox ist und welche phantastische Augenfarbe er hat (ich reg' mich nicht auf, rege ich mich auf? Nein)

Naomi: Heiß wäre eine angemessene Art, ihn zu beschreiben. Höllisch heiß eine noch präzisere. Er war groß genug, dass ich mein höchstes Paar Heels tragen könnte und trotzdem noch den Kopf in den Nacken legen müsste, um ihn zu küssen – meine offizielle Kategorisierung männlicher Größe.

Knox wiederum registriert, dass Naomis
Nippel hart werden als er sie berührt und das ist doch immerhin auch schon was.
Ansonsten ist er zwar genervt und will absolut kein Drama und Tina scheint ein kompletter Totalausfall zu sein (und sie wird sehr unschön beschrieben) und daher ist er Naomi gegenüber skeptisch, bietet ihr aber trotzdem seine Hilfe an als sie feststellt, dass ihr Auto verschwunden ist. Immerhin registriert Knox noch, dass Naomi  ganz anders ist als Tina, zumindest schon mal äußerlich.

Knox über Tina: ...Tinas Gesicht hatte die Farbe und Beschaffenheit einer alten Ledercouch. Tiefe Zornesfalten umrahmten ihren Mund, vertieft von zwei Schachteln Kippen am Tag, und weil sie der Meinung war, die Welt schulde ihr was. 

Knox über Naomi: Naomi dagegen war aus anderem Holz geschnitzt. Aus exklusiverem. Sie war groß wie ihre Schwester. Aber statt des knusprig frittierten Looks ging sie mit dichtem Haar von der Farbe gerösteter Kastanien in die Disneyprinzessinnen-Richtung. Dieses Haar und die Blumen darin versuchten, aus einer kunstvollen Hochsteckfrisur zu entkommen. Ihr Gesicht war weicher, die Haut blasser. Volle rosa Lippen. Augen, die mich an Waldboden und weite Ebenen erinnerten.

Natürlich riecht man schon zwei Meilen gegen den Wind, dass Knox' Vorhaben, sich von Drama (und Naomi) fernzuhalten komplett in die Hose gehen wird.
Aber ich bin gespannt darauf, wie sich ihre Geschichte entfalten wird, warum Naomi von ihrer Hochzeit floh und was eigentlich mit ihrer Katastrophenschwester nicht stimmt, dass die überall verbrannte Erde hinterlässt.
Das Ende scheint recht turbulent und seltsam actiongeladen zu sein, was irgendwie fehl am Platz wirkt aber mal schauen, wie es dazu kommt.

Enemies-to-lovers bzw. Grumpy-meets-Sunshine mag ich ganz gerne, das hat eine besondere Spannung im Sinne von Knistern, was ich sehr ansprechend finde.
Beispiele hierfür auch Klassiker, die Mr. Grumpy etablierten, wie Mr. Rochester aus Jane Eyre oder Mr. Darcy aus Stolz und Vorurteil, auch die Legende Kaden White aus Mona Kasten's Again-Reihe ist so ein Typ und ich scheine eine Vorliebe dafür zu haben. Eine kleine Schwäche.
Tja, jetzt ist es raus. 

Ich glaube, Things we never got over eignet sich sowohl als Sommerlektüre als auch als Einkuschel-Lesevergnügen an verregneten Tagen, sollte das Wetter Einfluss auf eure Buchwahl haben.


Kennt ihr das Buch oder die Reihe bereits?

Viel Spaß beim Lesen!

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