I want to die but I want to eat tteokbokki
I want to die but I want to eat Tteokbokki- Baek Sehee
Memoiren/Selbsthilfe
Bloomsbury, 2018
Baek Sehee litt unter Dysthemie (chronische, langanhaltende Depression) und einer Angstörung.
Sie erzählt hier schonungslos ihre Geschichte, über ihre Depressionen, was durch ihre Gespräche mit ihrem Psychiater geschieht aber auch durch eigene Einschübe, wie beispielsweise 'Why do you like me? Will you still like me if I do this? Or this?' Über die konstante Angst, abgestoßen zu werden wenn man 'man selbst' ist oder auch 'The Hedgehog's Dilemma', fühle ich sehr. Hedgehog's Dilemma: wanting closeness/comfort but fearing the pain/consequences (sich nach Nähe/Trost sehnen aber den – möglichen – Schmerz/die Konsequenzen fürchten). Was man so ziemlich auf alles mögliche anwenden kann und überaus anstrengend ist.
Es ist eine Metapher nach Schopenhauer, das Stachelschwein-Dilemma:
' Wie Igel im Winter suchen Menschen Wärme in Beziehungen, verletzen sich jedoch durch ihre 'Stacheln' (Charaktermängel Verletzlichkeit), was zu Abstand führt.'
Auch erstaunlich bekannt bzw. nachvollziehbar das Kapitel:
'Am I an pathological liar?'
Über das Gefühl, ein Lügner zu sein, da trotz Depressionen oder einer Hochfunktionalen Depression, Dinge geschafft und erledigt werden können, gelacht werden kann– oder gerne Tteokbokki gegessen werden kann. Nur, was innen geschieht, die ambivalenten Gefühle, Leere, Hoffnungslosigkeit– das sieht niemand und kann man auch schwer erklären.
Darf man überhaupt lachen wenn man an Depressionen leidet, darf man Gelüste haben, Verlangen (und sei es nach Essen) oder hat man damit 24/7 brach zu liegen und sich so zu verhalten, wie sich Depressive zu verhalten haben?
Über das Buch. Baek Sehee:
'Ich verspürte den Drang, andere zu finden, denen es ging wie mir.
Daher beschloss ich – anstatt ziellos umherzuirren –, genau jene Person zu sein, nach der sie suchen könnten: meine Hand hoch in die Luft zu heben und zu rufen: "Ich bin genau hier!" – in der Hoffnung, dass jemand mein Winken bemerken, sich selbst in mir wiedererkennen und auf mich zukommen würde, damit wir Trost in der Existenz des anderen finden könnten.'
Ja, liebe Leser, ihr schielt nicht, das Buch hatte ich auf meinem anderen Blog bereits vorgestellt, zusammen mit anderen Büchern. Aber es ist mir irgendwie wichtig, der Autorin, die am 16. Oktober 2025 verstarb, hier einen eigenen Platz einzuräumen.
Ihr Tod hat mich wirklich schockiert und traurig gemacht.
Mich hat ihre Geschichte sehr berührt und ich kann mich in vielem, was sie hier in diesem Buch beschreibt, sehr wiederfinden.
Nicht in allem gleichermaßen, sie dreht sich oft sehr intensiv um ihr Aussehen und um den Gedanken, sich bei kleinsten Unstimmigkeiten abgelehnt zu fühlen. Dieses Gedankenkreisen und in Extremen denken ist manchmal schwer zu lesen – einfach weil man sie da rausziehen möchte – und es nicht kann.
Man denkt oft, okay, jetzt hat sie einen guten Ansatz, und sie denkt das auch aber dann rutscht sie wieder in diese schädlichen Denkmuster.
Dennoch fand ich erstaunlich oft Dinge, die mir schmerzlich bekannt vorkommen und die beiden oben genannten kenne ich auch, wenn auch nicht in dieser Ausprägung.
Es ist nicht leicht in dieser Welt zu bestehen, ständigen Bewertungen ausgesetzt zu sein, mit den Widrigkeiten des Lebens und den vielen verschiedenen Menschen zurechtzukommen.
Das beschreibt Baek Sehee's Geschichte sehr gut.
Für wen ist das Buch nun geeignet?
Es ist für jeden, der sich interessiert, für jeden, der im Leben struggled, sich permanent selbst hinterfragt, Katastrophenszenarien im Kopf kreiert, depressiv ist aber auch für jeden, der nichts davon kennt und vielleicht einfach gerne andere verstehen möchte.
Es ist komischerweise nicht negativ oder herunterziehend, ich finde es eher schön, zu wissen, mit vielem nicht allein zu sein, es gibt durch die Gespräche mit dem Therapeuten Anstöße, Dinge zu überdenken und negative Denkweisen abzulegen.
Natürlich kann es keine echte Therapie ersetzen aber es ist ein Anfang, ein Baustein. Für andere ist es vermutlich einfach interessant oder unterhaltsam.
Fortsetzung: I want to die but I still want to eat tteokbokki
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