Tokioregen
Tokioregen von Yasmin Shakarami, Penguin Verlag
Fiktion, Jugendbuch, Liebesroman
Nachdem die liebe Tanja von Der Duft von Büchern und Kaffee so sehr davon schwärmte und mir sowohl das Cover als auch das Setting zusagte, habe ich es mir mal angehört.
Vielleicht war das ein Fehler.
Es ist absolut wichtig, wie einem eine Stimme gefällt. Es geht gar nicht mal um Sprecherskills, sondern einfach darum ob man die Stimme angenehm findet.
Natürlich spielt es auch eine Rolle ob Emotionen getragen werden aber die Gefahr ist auch, dass eine Stimme so wahnsinnig viel vorweg nimmt.
Und hier war mir die Sprecherin leider zu bemüht, es hat mir sozusagen dadurch schon einen Charakter vorgezeichnet.
Vielleicht bin ich einfach Jugendbüchern entschlüpft aber meine Güte, warum ist jeder Typ darin eine Blaupause des anderen?
Copy&Paste sozusagen.
Besondere Augen, tätowiert, muskulös, Bad Boy aber eigentlich auch gar nicht bad, schiefes Lächeln, wuschelige Haare.
Wie wärs mit Zahnlücke und einer neuen Umschreibung für 'schiefes Lächeln'– verschmitzt, spöttisch, selbstsicher, schüchtern, zurückhaltend, herausfordernd, selbstgefällig, überheblich, charmant, niedlich– irgendetwas, nur nicht mehr 'schief'.
Und fast schon Voraussetzung ist natürlich ein Trauma als wäre das nötig um den Charakter zu erklären, zu bilden, genau wie 'anders als andere Mädchen' zu sein. Vielleicht soll das sympathisch sein ohne sich die Mühe eines richtigen Charakteraufbaus zu machen, ich weiß es nicht.
Zu oft genau so gelesen. Das macht es leider ganz und gar nicht 'einzigartig'.
Genau wie eine wirklich problematische Beziehung zu den Eltern oder einem Elternteil– hier der Junge zu seinem Vater. Bzw. der Vater ist hochproblematisch.
Das Setting in Tokio gefällt mir gut, auch die Gastfamilie ist sehr süß, warum auch immer die Schwester anfangs so einen Film schiebt und ihre Gastschwester ablehnt, habe ich wieder vergessen.
Aber irgendwie mochte ich sie, auch ihren kleinen Bruder, fast schon überzeichnet aber nur fast.
(Nachtrag: die Nacktkatze! Mr. Neko (was einfach Herr Katze oder Herr Kater bedeutet) ist ein kleines Highlight, sehr witzig und süß!).
Dann passiert eine Naturkatastrophe, die Szene finde ich echt gut beschrieben, dynamisch, erschütternd. Alles passiert schnell, keine Zeit zu reagieren.
Danach, ja. Die Suchaktion fand ich durchaus spannend, aber die plötzliche Action irgendwie seltsam. Auch die fast schon Übernatürliche Sequenz kam und ging so plötzlich und wirkte fast deplatziert aber irgendwo musste das Thema des Traumas ja nochmal rein und angeschnitten werden.
Dann passiert eine Naturkatastrophe, die Szene finde ich echt gut beschrieben, dynamisch, erschütternd. Alles passiert schnell, keine Zeit zu reagieren.
Danach, ja. Die Suchaktion fand ich durchaus spannend, aber die plötzliche Action irgendwie seltsam. Auch die fast schon Übernatürliche Sequenz kam und ging so plötzlich und wirkte fast deplatziert aber irgendwo musste das Thema des Traumas ja nochmal rein und angeschnitten werden.
Was mir gefällt ist der Einblick in die japanische Kultur und Sprache. Auch wenn hier wieder die Sprecherin fast schon zu betont spricht, was immer etwas lustiges hat. Man merkt auch natürlich, dass es eine Erwachsene geschrieben hat wenn so manche Wörter durchbrechen, die ich nicht unbedingt bei einer Sechzehnjährigen verorten würde.
Aber letztendlich macht es für ein Jugendbuch das, was es soll.
Es ist eine schöne Geschichte in einem ungewöhnlichen Setting und mehr muss es auch nicht sein.
Ich würde nur empfehlen, es zu lesen und nicht zu hören.
Punktevergabe zur Orientierung:
Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 1/5
Humor: 0,5/5
Spice: 0,5/5
Stil/Lesefluss: 3,5/5 (hier nur Stil, da Hörbuch)
Logik(fehler) in der Handlung: 0,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur(en): 3,5/5
Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 1/5
Humor: 0,5/5
Spice: 0,5/5
Stil/Lesefluss: 3,5/5 (hier nur Stil, da Hörbuch)
Logik(fehler) in der Handlung: 0,5/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur(en): 3,5/5
Viel Freude beim Lesen und ein Danke an Tanja für die Empfehlung!
Hallo Silver,
AntwortenLöschenich habe mich gerade so gefreut, als ich deine Rezension zum Buch auf deinem Blog entdeckt habe.
Ich finde es schade, dass dich die Geschichte nicht auf ganzer Länge zu begeistern wusste. Aber ich freue mich, dass es ein paar Punkte gab, die dir richtig gut gefallen habe.
Ja, das stimmt wohl. Es gibt einige gängige Klischees in Jugendbüchern. An die ich mich mittlerweile schon gewöhnt habe. Einige mag ich sehr und kann sie auch immer wieder lesen. Andere überlese ich mittlerweile vermutlich schon automatisch.
Die Nacktkatze, aber auch das Setting fand ich in diesem Buch einfach großartig. Die Sache mit der Naturkatastrophe war für mich eine wirklich gelungene Einspielung. Ich mochte auch die Figuren, die teilweise doch sehr interessant dargestellt wurden.
Zu dem Thema Vertonung: Ich habe das Problem, dass ich bei Hörbüchern oft zu schnell den Faden verliere, daher lese ich lieber selber. Aus meiner Erfahrungen heraus (von denen es nicht so viele gibt), kann ich sehr gut nachvollziehen, was du du meinst, wenn du davon schreibst, dass manche Stimmen zu viel vorwegnehmen. Das hatte ich tatsächlich auch bei einem Hörbuch. Die Art, wie die Stimme die Figur dargestellt hat, hat mich sehr gestört. Ich wusste beim Hören, dass ich die Geschichte völlig anders gelesen und sie daher auch ganz anders auf mich gewirkt hätte.
Ganz liebe Grüße
Tanja :o)
Hallo Tanja,
Löschenja, dass stimmt, man muss aufpassen bei Hörbüchern nicht den Fokus zu verlieren, man macht automatisch was nebenbei und es ist mir auch schon passiert, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich gerade eigentlich gehört habe.
Wenn ich merke, die Konzentration lässt nach, höre ich auf oder lenke meine Aufmerksamkeit wieder aufs Hören.
Das Buch ist schon in Ordnung, manchmal bin ich zu streng aber gerade bei Jugendbüchern finde ich die Klischees arg.
Auch die doch eigentlich netten Yakuza-Leute fand ich irgendwie witzig.
Als wäre das in Wahrheit ein Wohltätigkeitsverein und sie spielen nur böse Buben.
Mr.Neko ist der heimliche Star der Story:)
Liebe Grüße!
Hallo Silver,
Löschenich bin beruhigt zu hören, dass es mir scheinbar nicht alleine so geht. Ich würde Hörbücher wirklich gerne mögen. Sie bieten eine gute Möglichkeit, um Geschichten noch besser in den Alltag zu integrieren. Aber ich muss auch zugeben, dass ich mittlerweile fast schon akzeptiert habe, dass es mit mir und den Hörbüchern einfach nicht so richtig zu klappen scheint.
Ach, ich freue mich, dass du auch einiges in der Geschichte gefunden hast, das dich angesprochen hat. Jaaa, die Yakuza Leute waren so richtig schön schrullig. Wie so einige Figuren in dem Buch. Das hast du sehr schön auf den Punkt gebracht.
Ich verstehe deinen Kritikpunkt an den Jugendbüchern.
Absolut: Mr. Neko ist der heimliche Star der Story <3
Ganz liebe Grüße
Tanja :o)