Die Zeitmaschine

Die Zeitmaschine von H.G. Wells
1895, Science Fiction-Roman
Ungekürzte Hörbuchversion von 2014 (Hörbuch Hamburg), gehört bei Audible


                 Abbildung: OTB e-book Publishing


Ein namenloser Erfinder diskutiert mit seinen Gästen die drei Dimensionen und die Möglichkeit, der vierten Dimension – der Zeit – und sich darin zu bewegen.
Er präsentiert seinen staunenden Gästen das kleine Versuchsmodell einer Maschine, mit der Zeitreisen möglich seien. Obwohl das kleine Gerät vor aller Augen verschwindet, bleiben alle skeptisch.

Er verabredet, sich einige Tage später erneut zu treffen.
Ein ebenfalls namenloser Erzähler berichtet von den Vorkommnissen.
Die Gäste warten und schließlich taucht der Erfinder auf, mit zerrissener Kleidung, verletzt und ohne Schuhe.
Er erzählt nun seine unglaubliche Geschichte.

In dem Klassiker folgen wir dem Erfinder bis ins Jahr 802.701.
In dieser für ihn fremden Welt trifft er auf die zarten, schönen aber nicht gerade klugen Eloi und die schlauen, furchteinflößenden Morlocks.
Der Zeitreisende ist beiden gegenüber zunächst skeptisch bis ablehnend eingestellt.
Die Eloi findet er naiv wie kleine Kinder, fast seelenlos und die unterirdisch lebenden Morlocks vergleicht er mit Affen oder Ratten.
Dann rettet er die junge Weena, die vor den völlig ungerührten und lethargischen Augen ihrer Freunde beinahe ertrinkt.
Durch sie und ihre Zuneigung fühlt er mehr Sympathie für die Eloi und sinniert über diese Gesellschaft und ihre Bedeutung nach.
Es wird brenzlig als die Morlock seine Zeitreisemaschine in ihre unterirdischen, ausgeklügelten Höhlen ziehen.
Der Erfinder muss versuchen, seine Maschine wiederzufinden, oder er kommt nie mehr in sein Jahrhundert zurück.

Ich liebe auch die Verfilmung der Zeitmaschine aus dem Jahr 1960.
Sicher, die Zeitrafferaufnahmen oder die Darstellung der Morlocks hauen einen nicht mehr aus den Socken, doch hat der Film eine ganz besondere Atmosphäre mit einem melancholischen Unterton.
Ich liebe auch die Filmmusik.
Natürlich war es längst Zeit, auch das Buch von H.G. Wells zu lesen.
Ich habe mich für die Hörbuchversion, gelesen von Götz Otto, entschieden.
Hier kommt auch die Filmmusik zum Einsatz, was das Ganze noch stimmungsvoller macht.

Die Zeitmaschine hat so viel mehr Themen als die bloße faszinierende Idee, in der Zeit zu reisen.
Der Erfinder trifft auf eine für ihn vollkommen fremde neue Welt, doch scheint er sich zunächst nicht wirklich bewusst zu sein, dass er sich noch am selben Fleck befindet, diese neue Welt Folge auch seiner Existenz ist.
Er betrachtet die Eloi und Morlocks zunächst nicht als Menschen, auch wenn ihm später klar wird, dass beide Nachkommen ein und derselben Spezies, des Menschen, sind.
Er verhält sich wie ein typischer Entdecker jener Zeit, er versucht zwar zu verstehen, respektiert allerdings nicht, was er vorfindet.
Es wird an einer Stelle etwas philosophisch, er sinniert über die Entwicklung der Gesellschaft, die Folgen einer Zwei-Klassen-Gesellschaft und erkennt, dass in dieser neuen Welt die, die Maschinen bedienen, die Arbeiter, die 'unteren', mittlerweile die sorglosen, gedankenlosen 'oberen' für ihre Zwecke halten und ausnutzen.
Gerechter ist diese neue Ordnung auch nicht geworden, die Machtverhältnisse haben sich nur gedreht.
Auch seine Reise noch weiter in die Zukunft und was er dort vorfindet, finde ich faszinierend und durchaus realistisch beschrieben.
Ihm wird klar, dass alles einmal sterben wird, dass nichts, keine Gesellschaft oder der Mensch, bleibt, wie er es kannte.

Interessant auch, dass er nach seiner erfolgreichen Rückkehr in seine Zeit, nicht gedenkt, etwas an der Situation der Eloi zu ändern, die zwar in einer traumhaften Umgebung leben aber nichts damit anfangen können, nicht selbst tätig werden oder neugierig sind. Sie fürchten die Morlock, zu recht.  
Er denkt auch nicht daran, Weena zu retten, er will besser ausgestattet zurück um Beweise für seine erfolgreiche Zeitreise zu sammeln, zumindest sagt er das so.
Ich finde das Ende im Film etwas versöhnlicher, da er dort ein weiteres Mal in der Zeit reist und nicht vorhat, in seine Zeit zurückzukehren.

Das Ende finde ich rätselhaft und lässt mich nicht los.

'Als ich die Hand auf die Klinke legte, hörte ich einen Schrei, der unerwartet plötzlich abriss, dann ein Knacken und einen dumpfen Schlag.
Ein Luftzug wehte mir entgegen als ich die Tür öffnete und von drinnen hörte ich das Klirren zu Boden fallender Glasscherben.
Der Zeitreisende war nicht da.
Einen Augenblick lang glaubte ich, eine verschwommene Gestalt in einer wirbelnden Wolke von schwarz und metallgelb zu sehen – so durchsichtig, dass das Arbeitspult, auf dem noch die Pläne lagen, dahinter deutlich zu erkennen war.
Aber dieses Phantom verschwand , während ich mir noch die Augen rieb.
Die Zeitmaschine war fort.'


Ein toller Roman, der noch mehr zu bieten hat, als auf den ersten Blick angenommen.
Man muss einige Dinge und Bezeichnungen aber der Zeit, in der der Roman verfasst wurde, zuordnen, heute würde man manches so nicht mehr sagen.
Aber das ist okay für mich, immerhin ist die Geschichte 131 Jahre alt.

Punktevergabe zur Orientierung :
Persönlicher Gesamteindruck: 4/5
Spannung: 1,5/5
Humor: 0/5
Spice: 0/5
Stil/Lesefluss/Hörerlebnis: 4,5/5
Sprecher: 4,5/5
Logikfehler in der Handlung: 0,5/5
Sympathie mit Hauptfigur/en: 3,5/5

Kennt ihr die Geschichte bereits? 
Viel Spaß beim Lesen, Hören oder Schauen:)

Kommentare

  1. Schönen guten Abend :)

    Ich hab das Buch vor längerer Zeit gelesen, das ist sicher schon über 15 Jahre her und so genau kann ich mich an die Einzelheiten nicht erinnern. Nur noch an die Morlocks und die sterbende Welt / Sonne am Ende.

    Den Film dazu kenne ich tatsächlich nicht, da muss ich mal schauen, das wäre tatsächlich mal cool, wobei ich bei Filmen/Serien echt extrem wählerisch bin. Noch mehr als bei Büchern :D
    Nach dem Hörspiel halte ich auch mal Ausschau.

    Wäre interessant, wie die Geschichte mir heute gefällt. Damals fand ich die auch richtig gut!

    Jetzt, nachdem ich ja auch unten bei den Rezensionen nochmal meine Sternchen vergebe, verstehe ich dein System jetzt besser!

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hey Aleshanee,
      stimmt, die Beschreibung der aufgeblähten roten Sonne usw war schon beeindruckend.
      Vielleicht findest du ja Zeit, nochmal reinzulesen oder zu hören:)

      Ja, was soll ich sagen, der Film ist halt aus 1960 aber mich stört das nicht. Im Gegenteil, es macht ihn auch besonders, auch wenn die Tricks und Maskenbildnerei eher zum Schmunzeln ist.
      Wie gesagt, ich mag seine Atmosphäre und dieses Melancholische..Und die Musik.
      Im Buch sprechen die Eloi eine andere Sprache..war eventuell zu kompliziert für den Film.
      Und dass er im Film zwar siebzehn oder vierzig Jahre in die Zukunft reist, seine Zimmerpflanze aber immer gleich aussieht:)
      Die wächst keinen Millimeter.
      Oder dass die Farbe der Morlocks irgendwie abgeht als er mit ihnen kämpft
      Ja, das sind so diese Kleinigkeiten, die einem auffallen.
      Liebe den Film einfach:)

      Liebe Grüße,
      Silver

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Ich hab tatsächlich auf youtube zwei Hörbuchversionen gefunden, da werde ich auf jeden Fall mal reinhören!
      Den Film, mal schauen, da muss ich wirklich Lust drauf haben. Und ja, so kleine Detailfehler dürfen bei diesen alten Filmen schon sein ... da sehe ich gerne drüber weg :)

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