Serienfinale You
You Staffel 5, Serienfinale, Netflix
Ich musste mich erstmal einige Tage beruhigen, bevor ich irgendwas dazu aufschreiben konnte. Was ein Schmarrn, unglaublich.
ACHTUNG! ABSOLUTE SPOILER!
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Ich fange mal mit dem Ende an.
Das Ende, in dem magischer- und leider unlogischerweise sowohl Bronte als auch Kate irgendwie überlebt haben (nicht das sie überleben sondern das Wie kritisiere9ü ich hier) und alle Frauen glücklich sind und triumphieren, ist nicht empowernd oder eine Genugtuung, es ist nervig.
Das Dilemma begann bereits ab Staffel 2 weil die Macher der Serie völlig von der Buchvorlage abgedriftet sind. An Caroline Kepnes Stelle wäre ich mega angepisst, warum zum Henker nimmt man die Idee des Buches (des natürlich besseren Buches ) und denkt man könnte es besser? Klar, man muss ein Buch adaptieren, Bildschirmtauglich machen, aber das wäre doch wohl problemlos machbar gewesen?
Das einzig Gute an der letzten Staffel ist, dass sie zurück in New York ist und das Mooney's wieder eine (kleine) Rolle spielt, der Vibe ist da aber die Storyline ist grauenhaft.
Das Problem ist, dass die Macher ein Ende wollten, das gesellschaftlich akzeptiert ist, das richtig wäre.
Nur, dass es eine fiktive Serie ist und das Ende einfach nur gefallen will und somit langweilig ist und aufgezwungen wirkt.
Sie haben das Problem selbst erschaffen, indem sie Joe als doch irgendwie nett, als einen 'nice guy' hingestellt haben.
In der letzten Staffel wird ihm entgegengeschleudert, ER sei hier nicht das Opfer, nur, dass er das auch ist. Er ist beides. Zunächst ein Opfer, der Umstände, seiner Eltern, seiner Mutter, des Systems, Mr.Mooneys und so weiter. Und dann wurde er zum Täter. Er rechtfertigte seine Taten immer damit, es ja im Guten getan zu haben (das Narrativ der Serie, im Buch ist spätestens ab dem zweiten Teil klar, dass er es aus egoistischen, opportunistischen Gründen tut aber eben nicht nur, auch hier findet er gute Gründe aber sein Ziel ist nicht primär, seine You zu töten, nur weil sie ihn nicht liebt, eigentlich)
Sie stellen ihn hin als einen Frauenhasser, was so nicht stimmt.
Er tötet in der Serie nicht weil die Frauen ihn nicht lieben, nicht in erster Linie, sondern weil er seinen eigenen Arsch retten muss.
Er hat Beck (Staffel 1) nicht getötet als sie sich von ihm trennte. Wozu auch? Es bestand Hoffnung für Joe. Beim zweiten Mal hat er sie eingesperrt, nicht, weil sie ihn verlassen könnte, sondern weil sie entdeckte, wer er wirklich ist, was er ist. Er konnte sie nicht überzeugen und laufen lassen, nicht, weil sie ihn nicht wollte, liebte, sondern weil sie zuviel wusste. Und er sie gekidnappt und eingesperrt hatte.
Die Serie wollte auf keinen Fall, dass Joe davon kommt, sie wollten das tun, was in der realen Welt richtig wäre aber für diese Serie nicht passte. Sie hatten nicht den Mut dazu. Das macht es öde, fad und das wie es passierte, auch etwas unglaubwürd)ig.
Sie zogen reale Dinge in die Serie, was Joes letzte Worte perfekt widerspiegeln.
Frauen, die in Livestreams von Penn Badgley als nun ja, Penn Badgley, schrieben 'Hallo Joe' und darüber phantasierten, dass sie zu gern von ihm in den Käfig gesperrt werden wollten. Ja, das ist maximal unangenehm aber das mit der Serie zu mischen ist es irgendwie auch. Es ist merkwürdig Fans dafür zu kritisieren, Fan von etwas zu sein, was man selbst kreierte. Und ich möchte nicht erzogen oder belehrt werden während ich mir eine fiktive Serie ansehe.
Es ist ein Spaß mit Joe zu fiebern, was man im realen Leben nicht tun würde- leider gibt es immer Frauen, die einen Mörder verteidigen nur weil er gut aussieht und Charismatisch ist, das war bereits bei Ted Bundy ekelhaft und war es in jüngster Vergangenheit bei z.B. Wade Wilson auch.
Aber hier liegt eben das bereits erwähnte Problem. Sie mischen reale Dinge mit Fiktion, die es in der Buchvorlage nicht gibt (die Bücher sind geradezu schmerzhaft offen und weichen nicht ab, nur weil es unangenehm wird oder politisch unkorrekt)
Das zwingt sie dazu, ein hahnebüchenes Ende zu fabrizieren, Joe als Frauenhasser zu labeln um die Genugtuung heraufzubeschwören, die nicht eintreten kann, weil er so nicht ist. Ihn sagen zu lassen, er braucht es irgendwie, mag es sogar, das Töten um auch sicher zu vermitteln, hey, er ist wirklich böse, was er aber nicht wirklich ist. Ja, er ist ein Mörder, ganz gleich was ihn antreibt aber gerade weil viele seiner Opfer so gezeichnet wurden, dass man kein großes Mitleid mit ihnen hat, sondern mit Joe, das ist doch der Kern, das Herz der Serie und das wurde hier zerstört, geopfert um gut dazustehen, das zu tun, was in der Welt da draußen das richtige wäre. Das passt alles nicht, die Abweichung vom eigentlichen Charakter der Protagonisten ist deutlich und es fühlt sich daher irgendwie schief an und das Problem um Joe so zu lösen ist einfach nur schwaches Storytelling.
Ich habe nicht mit Bronte/Louise mitgefiebert, es ist schwierig, dass ein neu eingeführter Charakter den Hauptprotagonisten zu Fall bringt.
Man hat keine Zeit mit ihr warm zu werden, auch die Hintergrundstory ist fadenscheinig und Internetdetektive so zu glorifizieren auch nicht ohne. Internethetze, falsche Verdächtigungen, Verleumdung etc spielt eine große Rolle, das wurde hier völlig ausgeblendet (es war ja ok solange es Joe betraf, aber als es sich gegen Bronte richtete wurde es als problematisch gezeichnet, doch es kann jeden treffen) auch wenn sie in diesem Falle (in Joes Fall) richtig lagen. (auch wenn sie ihn mit aller Macht in die Situation lockten und drängten und nichts taten, um die Eskalation zu vermeiden, aber kein Wort wird darüber verloren) Doch mit welchen stichhaltigen 'Beweisen' kamen sie überhaupt? (Und seit wann hat man im Keller von Mooney's Handyempfang? Seit wann ist Brandstiftung ok? Seit wann kommen so viele Polizisten zur Rettung herbeigeeilt und schießen nicht auf eine bewaffnete Person, die eine andere, unbewaffnete niederschießt? Was ist mit Joes Psychose aus der letzten Staffel? So viele Fragen) Diese Handy-Mithör-Nummer und von den Toten auferstehen-Nummer wurde zu sehr ausgereizt und ist- nochmal- schwaches Storytelling.
Auch Kates Wandlung ist seltsam und dass das arme superreiche Mädchen mit gehörig Dreck am Stecken am Ende als Heldin gefeiert wird, hinterlässt einen faden Beigeschmack.
Und wenn sie schon eine Verbindung zwischen Beck und Bronte herbeiphantasieren, dann hätte ich mir gewünscht, dass es beispielsweise eher mit Becks Schwester Anya wäre.
Das wäre ein super interessanter Twist gewesen, sie hätte man schon ab Staffel drei einbringen können und da sich eh überhaupt nicht mehr an die Buchvorlage gehalten wurde, wäre das möglich gewesen und die Verbindung auch glaubwürdiger als zwischen Bronte und Beck, die nie erwähnt wurde, wie auch, hat man sie doch erst fürs Finale erfunden. Ihr Überleben aus der vorigen Staffel war aber genial und wenn es jemandem von dem Cast gebürte, Joe zur Strecke zu bringen, war sie es, doch nein, man nimmt einen neuen Charakter-Bronte, die entfernt an Amy Adam erinnert (ein Buchcharakter aus dem Ende des ersten Buches und Thema bis irgendwo ersten Drittel des zweiten Teils) die aber hin und her hüpft und ihre Meinung ändert wie der Wind seine Richtung und man sie dadurch irgendwie verliert und sie leider keine Zeit hat, eine sympathische, irgendwie tiefere Bindung zum Zuschauer aufzubauen.
Becks Schwester wäre so cool gewesen, noch cooler, hätte Elizabeth Lail diese gespielt. Die verpassten Chancen dieser Serie lassen mich Nachts nicht schlafen, wirklich.
Ich bin ehrlich froh, dass der Spuk endlich vorbei ist und halte mich an die Bücher und die erste und vielleicht zweite Staffel der Serie, wobei, ne, es bleibt die erste Staffel für mich, der Rest kann weg.
-S.
P.S. schreibt mir gern eure Meinung dazu!
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