Buchvorstellung und eine Serie

Bücher/Serie:

•Bevor der Kaffee kalt wird
•Lemon
•Die Chemie des Todes (Serie)


Toshikazu Kawaguchi~
Café-Reihe Band 1, Magischer Realismus

In dem kleinen Café in einer Gasse, steht der Stuhl, auf dem eine Zeitreise in die Vergangenheit möglich ist.
Doch es gibt einiges zu beachten, unter anderem braucht man viel Geduld denn einfach so hinsetzen geht nicht. Der magische Stuhl wird rund um die Uhr von einem stets Lesenden und Kaffeetrinkenden Geist besetzt, nur wenn sie einmal am Tag (wann genau lässt sich freilich nicht vorhersagen) zur Toilette muss, darfst du dich setzen.
Zudem gibt es viele Regeln- für manche zu viele um die Reise dann auch wirklich anzutreten.
Viele Fragen sich, was so ein Besuch in der Vergangenheit bringen soll wenn doch ganz gleich was man sagt oder tut, sich absolut nichts an der Situation in der Gegenwart ändern wird.
Zudem kannst du nur Menschen treffen, die schon einmal dieses Café besucht haben.
Doch es steckt mehr dahinter als so mancher abgeschreckte Gast wohl glaubte, das würden die Personen in dieser Geschichte, die es mit Geduld und ein wenig Wagemut in Angriff nahmen, mit Sicherheit bestätigen.

Fazit
Ein schönes, kurzweiliges, clever strukturiertes Buch welches einem hier und da einen kleinen Reminder mit auf den Weg gibt. Die Charaktere sind relativ gut gezeichnet, kurz gehalten und doch kompakt, ihre Persönlichkeit wird mit Voranschreiten der Geschichte deutlicher.
Vielleicht mag es manchen etwas flach erscheinen aber hier finde ich, passt die nicht ausschweifende Art und Weise der Erzählung. Das würde es nur unnötig aufbauschen, es wird erzählt was nötig ist.
Die Erkenntnisse die man aus diesen kurzen, miteinander verwobenen Geschichten mitnehmen kann, sind nun nicht besonders spektakulär oder neu aber doch eine kleine feine Erinnerung.

Punktevergabe zur Orientierung:

Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 2/5
Humor: -/5
Spice: -/5
Stil/Lesefluss: 3,5-4/5
Logik(fehler) in der Handlung: -/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur(en): 3,5-4/5

>Band 2: Bevor sich unsere Wege trennen
Band 3: Bevor es für uns zu spät ist

                                     ◇

Kwon Yeo-sun ~ Lemon, Psychologischer Thriller/Krimi

Ein ungeklärter Mordfall und seine Folgen.
Lemon beleuchtet vorrangig nicht die Aufklärung des Falles, sondern eher die Nachwirkungen dessen, was es mit den Menschen im unmittelbaren Umkreis der Tat macht.
Im weiteren Verlauf geht es auch um die Rekonstruktion der Tat und den möglichen Täter.
Es zeigt auch eine durch Vorurteile und Klassismus geprägte Tätersuche und eine ernüchternde Erkenntnis am Ende dieser Suche.

Fazit
Diese Geschichte lässt einen nachdenklich zurück.
Es ist kein klassischer Thriller, eher eine leise, gesellschaftskritische Studie und eine Charakterstudie wenn man so will.
Die Geschichte gestaltet sich durchaus spannend aber nicht im herkömmlichen Sinn.
Es ist gut geschrieben und aufgebaut, lässt sich flüssig weglesen, das Ende ist eher ernüchternd und wie schon erwähnt, wird es einen eher nachdenklich stimmen.
Lemon eigenet sich gut für ein verregnetes Wochenende.

Punktevergabe zur Orientierung:

Persönlicher Gesamteindruck: 3,5/5
Spannung: 2,5/5
Humor: -/5
Spice: -/5
Stil/Lesefluss: 3,5/5
Logik(fehler) in der Handlung: -/5
Empathie/Sympathie mit Hauptfigur(en): 3,5-4/05

                                 ◇

Die Chemie des Todes nach den Büchern von Simon Beckett
•Serie (Netflix, ARD Mediathek)


Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, ich mache es mal kurz: grauenhafte Verfilmung.
Warum möchte man eine Buchreihe verfilmen und beraubt dieser dann aller wichtigen Zutaten? Warum verstümmelt man diese Geschichte indem man tragende Charaktere verändert, ja sogar die Handlung abändert, viel zu sehr verkürzt, wichtige Plottwists ignoriert? Glauben die Macher wirklich, dass sie es so besser gemacht haben? Denn das haben sie nicht, im Gegenteil.
Und okay, ich verstehe irgendwo dass allgemein mehr Diversität abgebildet werden soll- aber dann produziert selbst etwas anstatt eine vorhandene Geschichte anpassen zu wollen, sie damit aber unlogischer zu machen.
Es ergibt keinen Sinn, dass der alteingesessene, angesehene Landarzt plötzlich Schwarz ist, in diesem (übrigens in der Serie gar nicht gut porträtiertem) rückständigen, konservativen Kaff in der tiefsten englischen Provinz.
Und noch skandalöser ist, dass sie DEN Plottwist um Henri einfach weggelassen haben!
Auch der verstaubte Reverend ist plötzlich eine (schwarze) Frau, seine (jetzt ihre) Rolle völlig unwichtig, wo sie im Buch durchaus wichtig war um die Stimmung im Dorf aufzuzeigen, die Ignoranz, die Engstirnigkeit.
Auch die Opfer wurden aus dem Zusammenhang gerissen oder einfach verknüpft um den Kreis klein zu halten und schneller in der Story voranzuschreiten. Wieso?
Im dritten Teil, (Kalte Asche, Buchtitel, Band 2) verschlägt es Dr. Hunter auf die abgelegene (fiktive) Insel Runa, gelegen in den äußeren Hebriden, meilenweit von der schottischen Küste entfernt - und was soll ich sagen, Maggie, die im Gegensatz zur rothaarigen Buchvorlage (was wohl ihre schottischen Wurzeln untermalen soll) ist nun eine asiatischstämmige Schottin, was absolut möglich ist, dennoch irgendwie falsch wirkt. Warum diese Änderung?
Aber okay, ihr abgewandelter äußerer Charakter geht noch total klar, im Gegensatz zu den anderen, die geradezu haarsträubend sind.
Aber abgesehen davon wird Maggie hier wieder komplett lahm porträtiert, denn ihr verschlagener Charakter kommt überhaupt nicht raus oder warum sie Grace ins Auge fällt.
Die größte Frechhheit hier ist aber Grace selbst, eine DER tragenden, wiederkehrenden Personen, sie ist nicht ohne Grund so beschrieben wie sie ist- ich war so gespannt auf sie in der Serie und...nichts.
Völlig unscheinbar, langweilig, keine eindrucksvolle oder wichtige Rolle- was zum Teufel soll das? Dachten die Macher vielleicht durch ihre unscheinbare, geradezu transparente Figur wäre der Kontrast stärker als wäre sie die betörende, schöne Frau aus dem Buch? Für das was und wie sie ist passt halt das Prädikat unscheinbar überhaupt nicht, eine weitere unverzeihliche Abwandlung.
Dass der versoffene Polizist bzw Sergeant Frazer jetzt eine Frau ist, bitteschön, geht klar aber dass das behinderte Mädchen, die eine tragende (und nun nicht mehr behinderte?) Rolle spielt, plötzlich ihre Tochter ist- also bitte! Kein Geld für einen ausreichenden Cast gehabt?
Dann muss noch brandaktuell eine Story um Schleuser mit eingebaut werden, oh man ey.
Ich habe mich beim Schauen oft gewundert, denn viele Zusammenhänge können den Zuschauenden gar nicht klar sein wenn sie die Bücher nicht kennen.
Es wurde so unbarmherzig und dämlich gekürzt, dass es alles nur noch ein billiger, unsinniger Abklatsch ist.
Auch sehr frech und ich frage mich, wieso das so gemacht wurde, ist der Umstand um den Unfalltod von Dr.  Hunters Frau Kara und ihrer gemeinsamen kleinen Tochter Alice.
Recht klar im Buch. Auch seine Schuldgefühle, woher sie rühren.
Warum wird in der Serie angedeutet, sie hätte sich und ihr Kind möglicherweise absichtlich ertränkt?(auch hier die Todesart abgeändert denn natürlich muss Dr. Hunter unbedingt persönlich vor Ort gewesen sein um den Tod immer und immer wieder zu durchleben..der originale Unfalltod-wesentlich plausibler und genauso tragisch- reichten nicht? Oder die Fähigkeit ihn bildlich darzustellen?)
Als hätte sie ein Problem mit der vielen Arbeit ihres Mannes gehabt, was im Buch gar nicht der Fall war. Jenny (die er im ersten Teil/Buch kennenlernt) hat mit der Zeit ein Problem damit.
Und warum muss man sein Leid immer wieder zeigen und dann noch andeuten, es wäre Absicht gewesen?
Fand ich persönlich eine weitere dumme Abwandlung.
Und zu Dr. David Hunter selbst. Ich kann seiner Verkörperung nichts abgewinnen.
Ich mag ihn schlichtweg nicht besonders.
Irgendwie wirkt er zu jung (obwohl der Schauspieler es nicht ist) und er wird meiner Ansicht nach dem Charakterstarken Hunter der Buchvorlage nicht gerecht.
Ich habe das Gefühl, die Macher trauten den Zuschauenden nicht zu die Zusamnenhänge zu verstehen oder mit zu vielen (es wären nicht zu viele) Personen zurechtzukommen.
So wurde es entsetzlich gestutzt und viele absolut wichtigen Zutaten einfach gnadenlos und grundlos weggestrichen.
Die Diversität, die ja durchaus in Ordnung und auch wichtig ist, wirkt aber so random, so gewollt, vielleicht aus Angst vor Kritik zu 'Weiß' zu sein, was aber in der tiefsten englischen Provinz oder einer abgelegenen Insel wohl nun mal der Fall wäre. Es muss auch zur Geschichte passen und nicht der Quote wegen einfach wahllos so besetzt werden, obwohl es einfach blöd und in dem Fall tatsächlich eher wenig realitätsnah scheint. Damit macht man es nur kaputt und ist auch nicht hilfreich. Denn im letzten Teil der Buchreihe (Die ewigen Toten) die im nördlichen London spielt, ist der DCI eine schwangere Frau (wie es auch schon in Totenfang eine Frau war), der Bürgerrechtler und Anwalt ein Schwarzer (und das Thema Rassismus kommt auch kurz vor) und eine alte, verwahloste Dame spielt auch eine Rolle. Es passt alles, nichts wirkt konstruiert. Also warum lässt man es nicht einfach sein, so in eine bestehende Geschichte einzugreifen?

Ich konnte nach der zweiten Folge ehrlich gesagt nicht weiter schauen, ich bin maßlos enttäuscht von der Serie.
Warum verfilmt man eine sehr gute und erfolgreiche Buchreihe und macht dann etwas völlig anderes daraus aber so viel plumper und schlechter? Ich kann nicht begreifen wieso und dass Simon Beckett überhaupt sein Go gegeben hat, sein Werk derart zu entstellen.
Ich bitte euch, vergesst diese Serie und lest die Bücher- oder hört sie euch an, z.B. auf Spotify könnt ihr sie der Reihe nach weghören. Hier geht die gekürzte Version übrigens total klar.
Und wenn ihr wirklich Interesse an coolen, z.B. Filmen habt, die von People of Color stammen, mit großartigem Cast, dann empfehle ich Nope oder Get out (den ich schon fast als Klassiker bezeichnen würde), beide von Jordan Peele oder wer den noch nicht geschaut hat, Parsasite aus Südkorea, absolut verdient einen (oder mehrere) Oscars gewonnen (obwohl der Cast nun nicht Divers sondern höchst Südkoreanisch ist:))
Es gibt wirklich viele gute Filme und Serien- diese gehört nach meinem Geschmack leider nicht dazu.
S.

Kommentare

  1. Bevor der Kaffee kalt wird, habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen. Hat mir unglaublich gut gefallen, obwohl es stellenweise ein paar Szenen gab, die mich irritiert haben. Da sind Fragen aufgeploppt, die für mich nicht gut genug geklärt wurden (Beispiel: Warum ist das Kaffee so berühmt und es ist doch immer nur dieses kleine, sich nie wechselnde, "Personal" vor Ort).

    Ich habe dann aber versucht mich von diesen Fragen "freizumachen". Das war gut, denn die Geschichte trägt so viel Zauber in sich und ist einfach besonders.

    Freut mich, dass du das Buch hier auf deinem Blog vorgestellt hast <3

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    1. Leider ist das Buch schon etwas her, aber vermutlich ist es berühmt weil da ein magischer Stuhl steht, auf dem ein Geist sitzt und liest und Kaffee trinkt:)
      Die Betreiber sind natürlich nicht die selben wie zur Gründung des Cafés (vor über 100 Jahren), aber es ist seit jeher in der Familie und wird so weitergeführt. In der Geschichte allerdings sind es die selben, ich glaube Anfangs jünger und später älter und verheiratet, wenn mich mich nicht alles täuscht.

      Und mich freut, dass es dir gefällt:)

      Liebe Grüße,
      Silver

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