Tür ins Dunkel

Tür ins Dunkel (The Door to December) ~ Dean R. Koontz
Psychothriller, Mystery
1985 bzw 1990 (deutsche Übersetzung)


Als ich hier Die Maske von Dean R. Koontz vorstellte, war ich überzeugt, es wäre die Handlung von Tür ins Dunkel.
Ich hatte viele Szenen noch im Kopf aber merkte dann, das Die Maske nicht den erwarteten Inhalt hatte. Die Maske hatte ich auch schon mal gelesen und erkannte auch die Handlung wieder und suchte und suchte nach dem Titel von Tür ins Dunkel und fragte schließlich Aleshanee, da sie auch Koontz kennt und gerade einen Titel vorgestellt hatte.
Voila, sie konnte mir den richtigen Titel nennen! 
Dankeschön.
Ich muss sagen, ich finde den originalen Titel The Door to December so toll, diese ominöse Tür spielt auch im Buch eine entscheidende Rolle. Keine Ahnung warum man die deutsche Ausgabe nicht einfach auch Die Tür zum Dezember genannt hat, klingt doch total geheimnisvoll und sogar schön.

Warum wollte ich aber Tür ins Dunkel unbedingt finden und nochmal lesen?
Als ich das erste Mal Stranger Things sah und wie Eleven in diesem Tank ist (ich gehe weiter unten etwas näher darauf ein) fiel mir sofort das Buch, bzw. Teile der Handlung wieder ein. Ich dachte noch, ob die Duffer-Brother das Buch auch kennen, ich weiß nicht ob sie das irgendwo vielleicht mal erwähnten.
Jedenfalls habe ich es mir gleich besorgt, da es nicht in meinem Besitz war (vielleicht hatte ich es auch aus der Bücherhalle) und habe es ruckzuck durchgelesen.

Aber worum geht's eigentlich?

Laura ist untröstlich. Seit 6 Jahren sucht sie nach ihrer Tochter Melanie, die ihr Ex-Mann Dylan als dreijährige entführte. 
Eines Abends bekommt sie völlig überraschend Besuch von der Polizei und damit beginnt eine Achterbahn der Gefühle für Laura, denn ihre Tochter wurde gefunden. Doch was geschah mir ihr, warum ist sie lethargisch, geradezu katatonisch, tief versunken in ihrer düsteren Welt? Wovor hat sie so panische Angst und was meint sie, wenn sie von der Tür zum Dezember spricht, die unbedingt geschlossen bleiben soll?
Welche schrecklichen Experimente nahmen ihr Mann, ein begnadeter Wissenschaftler und andere an ihrer Tochter vor, was hat es mit dem Grauen Zimmer, dem Elektroschockstuhl und dem Deprivationstank (Samahdi-Tank*) auf sich, in den Melanie steigen musste, manchmal für Tage?
Dunkle Hintermänner müssen am Werk sein, denn irgendjemand muss dieses 'Projekt' finanziert haben. Wem kann Laura noch trauen? Hilfe bekommt sie vom hartgesottenen Lieutenant Dan Haldane, der seinerseits Gründe hat, Laura und Melanie zu helfen und sich mehr als sonst zu engagieren und dem Sicherheitsmann und persönlichen Bodyguard für Laura und vor allem Melanie, Earl Benton.
Zum Schrecken aller glaubten manche im Kreis um Dylan auch an Okkultismus und waren skrupellose Sadisten. Und Laura, selbst Kinderpsychologin und der Logik und gesundem Menschenverstand zugetan, muss nach erschreckenden, unerklärlichen Vorkommnissen und geradezu unmenschlichen Morden an den Peinigern ihrer Tochter erkennen, dass noch etwas viel mächtigeres und dunkleres ihnen auf der Spur zu sein scheint.
Und vor diesem 'Es' gibt es kein Entkommen. 

*Ein Samadhi-Tank oder Isolationstank (Floating-Tank) ist eine speziell entwickelte, mit körperwarmen Wasser und einer sehr hohen Konzentration an Bittersalzen gefüllte, geschlossene Wanne oder Kabine für das sogenannte Floaten (Reizentzug bzw. R.E.S.T– Restricted Enviromental Stimulation Therapy)
Durch den hohen Salzgehalt erzielt man eine Art Schwerelosigkeit, da der Körper mühelos an der Oberfläche bleibt.
Auch Eleven in Stranger Things benötigt jede Menge Salz für die Wanne um diesen Effekt herzustellen, sowie Dunkelheit um Reize von außen zu minimieren und ihre telepathischen
Kräfte zu maximieren. 

Ein wirklich spannender Thriller, nach und nach werden die Hintergründe freigelegt. Irgendwann kommt einem ein böser Verdacht (trotzdem spannend, auch wenn ich es ja schon kenne) und auch Lieutenant Dan kommt so langsam dahinter.

Kritikpunkte

Ich las hier und da Kritik über die Eindimensionale, oberflächliche Beschreibung über die Attraktivität von Laura aber das sehe ich anders.
Klar wird zunächst das Äußere beschrieben, durch die Augen von Lieutenant Dan (ich kann seinen Namen im Kopf nicht anders sagen als Forrest Gump es tut, auch wenn es ein anderer Lieutenant Dan ist :)), sagen wir Lieutenant Haldane, denn er kennt Laura ja noch nicht näher.
Später wird sehr wohl auf ihre Intelligenz und (emotionale) Stärke eingegangen, ihre Fähigkeiten als Psychologin.
Die Darstellung einer anderen Frau ist bewusst so, wie sie ist, das hat etwas mit ihrer Rolle zu tun, was ihr angetan wurde.
Man kann sicher vieles kritisieren an älteren Büchern aber hier fand ich es etwas übertrieben und auch nicht wahr.
Da es zum einen schon 40 Jahre alt ist und zum anderen ein amerikanischer Schriftsteller schrieb, sind manche Bezüge für mich unklar, eine kurze Googlesuche nach den genannten Personen hilft aber weiter.
Kommt nicht oft vor aber ich wollte es dennoch erwähnen.
Ein kleiner Kritikpunkt wäre das Wiedersehen zwischen Laura und Melanie.
Man wartet die ganze Zeit darauf, wie läuft es ab? Dann wird es aber gar nicht wirklich beschrieben, sie sieht ihre Tochter zwar, auch in welchem Zustand sie ist und sie geht zu ihr ins Krankenhauszimmer und dann holt sie sie auch schon nach Hause. Aber näher erzählt wird es nicht.
Ein wirkliches Wiedersehen fehlt mir da irgendwie.
Es wird auch des öfteren ein abruptes Ende kritisiert aber eigentlich ist alles geklärt und 
das letzte Bild sozusagen und der letzte Satz reichen meiner Meinung nach völlig aus.

Zitat

"Welches Mordinstrument schwebt dir demnach vor?"
"Du hast mich nicht verstanden. Sieh mal, überlicherweise lässt sich anhand der Verletzungen immer bestimmen, womit jemand erschlagen wurde, ob es sich um einen glatten, rauen, scharfen oder stumpfen Gegenstand handelte. Man kann genau sagen: 'Aha, dieser Mann wurde mit einem Hammer getötet, der eine runde Schlagfläche mit schräger Kante hat'. Oder mit einem Brecheisen, dem stumpfen Ende einer Axt, mit einer Bücherstütze oder einer Salami. Jedenfalls lässt sich das Mordwerkzeug eindeutig feststellen, sobald man die Verletzungen untersucht hat. Diesmal aber nicht. Jede Verletzung scheint von einem anderen Gegenstand zu stammen."

Fazit

Insgesamt ein stimmiger Mystery-Thriller, der einem langsam aber zielsicher und mit brutalen Zwischenschritten an die erschreckende Wahrheit führt und einfach funktioniert, auch wenn das Buch schon 40 Jahre auf dem Buckel hat.
Was das Ganze hier und da etwas auflockert, ist Lieutenant Haldanes Art und trockener Humor, das hat mir gut gefallen. Wie er etwas ramponiert mit Laura, Melanie und dem zerbeulten Earl im Restaurant sitzt und auf die Verletzungen angesprochen wird, und knapp erklärt, sie seien die Treppe hinaufgefallen. Das fand ich wahnsinnig lustig.
Der Stil ist unprätentiös und hält sich nicht unnötig auf, was Längen vermeidet.

Punktevergabe zur Orientierung :
Persönlicher Gesamteindruck: 4,5/5
Spannung: 2,5/5
Humor: 0,5/5
Spice: 0/5
Stil/Lesefluss: 3,5-4/5
Logikfehler in der Handlung: 0,5/5
Sympathie mit Hauptfigur/en: 3,5-4/5

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